Argumentation

Warum dem AnarBib-Netzwerk beitreten

Diese Seite richtet sich an anarchistische militante Bibliotheken, die zögern, dem Netzwerk beizutreten. Sie ist absichtlich direkt: was ihr gewinnt, was ihr gebt, was eures bleibt.

Was ihr gewinnt

Ein vollständiges ILS, unentgeltlich, ohne marktwirtschaftliches Gegenstück. Öffentlicher Katalog, Leser*innen-Konten, Ausleihen, Rückgaben, Vorbestellungen, Konsultationen vor Ort, Wunschlisten, Verzüge, Verlängerungen, Etiketten, Statistiken, E-Mail-Kommunikation. Das Werkzeug deckt die vollständige Kette einer zirkulierenden Bibliothek ab. Keine Funktion wird in einer Premium-Version zurückgehalten, weil es keine Premium-Version gibt.

Eine Katalogisierung, angepasst an militante Bestände. Klassische ILS können ein Flugblatt, eine selbstverlegte Broschüre, ein Zine, ein Kampagnendossier, ein verschwundenes militantes Periodikum nicht richtig beschreiben. AnarBib bietet spezialisierte Felder pro Materialart und erlaubt zu katalogisieren, was andere Werkzeuge als „Verschiedenes" behandeln.

Eine echte dokumentarische Zusammenarbeit. Die Bibliotheken des Netzwerks tauschen Datensätze: was ihr katalogisiert, wird von anderen wiederverwendbar, und umgekehrt. Ihr spart Zeit bei Werken, die anderswo schon beschrieben sind. Eine leichte Inter-Bibliotheks-Ausleihe ist im Aufbau. Importe von libertären Partner*innen (andere Bibliotheken, Verlage, Archive) sind in Eröffnung.

Eine mehrsprachige Oberfläche. Verfügbar auf brasilianischem Portugiesisch, Französisch, Kastilisch, Englisch, Italienisch, Deutsch. Eure Leser*innen wählen ihre Sprache beim Login. Andere Sprachen können auf Anfrage hinzugefügt werden, wobei die Übersetzungsarbeit im Netzwerk geteilt wird.

Eine bewahrte technische Autonomie. Ihr könnt eine vom Netzwerk gehostete Instanz wählen oder AnarBib auf eurer eigenen Infrastruktur installieren. Ihr behaltet eure Daten, euren Bestand, eure Regeln, eure visuelle Identität. Wenn ihr eines Tages das Netzwerk verlasst, nehmt ihr alles mit.

Was ihr gebt

Eine kurze Charta zu unterschreiben. Zehn nüchterne Artikel, die den minimalen Rahmen der Zusammenarbeit setzen: lokale Souveränität, Ablehnung der Vermarktung von Daten, Unentgeltlichkeit, freier Code, Sprachen. In fünf Minuten lesbar. Charta lesen.

Eine Orientierung zur Zusammenarbeit. Keine Verpflichtung, eine Orientierung. Wir erwarten, dass eure Datensätze teilbar sind, dass ihr nach Möglichkeit auf Anfragen anderer Bibliotheken antwortet, dass ihr meldet, was nicht funktioniert. Niemand sanktioniert euch, wenn ihr nicht genug beitragt. Aber das Netzwerk lebt nur, wenn alle ein wenig tun.

Etwas Einrichtungszeit. Einen bestehenden Bestand zu katalogisieren braucht Zeit, egal mit welchem Werkzeug. AnarBib erleichtert die Aufgabe (ISBN-Importe, angepasste Formulare, doppelte Oberflächenebene einfach/vollständig), macht die Arbeit aber nicht für euch. Rechnet mit ein paar Wochen für die ersten Schritte, mehreren Monaten für die Retrokonversion eines bestehenden Bestands.

Was eures bleibt

Euer Bestand. Eure Anschaffungen, eure Aussonderungen, eure redaktionellen Entscheidungen. Niemand sagt euch, was ihr in die Regale stellen sollt.

Eure Regeln. Ausleihfristen, Anzahl der Vorbestellungen, Empfangsmodalitäten, Beschränkungsbedingungen. Ihr konfiguriert alles lokal.

Eure Leser*innen. Ihre Daten bleiben in eurer Instanz. Keine andere Bibliothek, kein*e Netzwerk-Koordinator*in, kein*e Wartende kann auf sie zugreifen.

Eure visuelle Identität. Farben, Schriften, Bilder, Begrüßungstext, Logo. Das Theme-System erlaubt jeder Bibliothek, ihr eigenes Erscheinungsbild zu haben, ohne den Code zu berühren.

Euer Rhythmus. Ihr tretet bei, wann ihr wollt. Ihr verlasst, wann ihr wollt. Ihr tragt nur bei, wenn ihr könnt. Das Netzwerk passt sich den realen Zeitlichkeiten einer militanten Bibliothek an, die nicht die eines kommerziellen Software-Projekts sind.

Was ihr nicht erwarten solltet

Seien wir ehrlich:

AnarBib ist kein fertiges Produkt. Das Projekt ist im aktiven Aufbau. Manche Teile sind stabilisiert (öffentlicher Katalog, Leser*innen-Konten, Dashboard), andere in der Konsolidierung (fortgeschrittene Katalogisierung, Importe), wieder andere in Vorbereitung (Inter-Bibliotheks-Ausleihen, Multi-Site-Föderation). Den Stand sehen.

Es gibt keinen kommerziellen 24/7-Support. Es gibt Genoss*innen, die das Projekt in ihrer eigenen Zeit warten, und ein Netzwerk, das sich gegenseitig hilft. Behebungen kritischer Bugs sind schnell; weitergehende Entwicklungen langsamer.

Vollständiges Selbst-Hosting ist nicht trivial. Wenn ihr alles auf eurem eigenen Server betreiben wollt, braucht ihr mindestens eine*n technisch versierte*n Genoss*in. Die vom Netzwerk gehostete Instanz ist die für die meisten Bibliotheken empfohlene Option.

Wie beitreten

  1. Lest die Charta. Charta lesen
  2. Wählt eure Formel.
    • Vom Netzwerk gehostete Instanz — zum Anfangen empfohlen. Keine technische Kompetenz erforderlich.
    • Eigenständige Installation — für technisch ausgestattete Bibliotheken. Schritt-für-Schritt-Anleitung wird bereitgestellt.
  3. Füllt den Beitrittsantrag aus. Zur Beitreten-Seite gehen
  4. Stellt eure Bibliothek dem Netzwerk kurz vor. Bereits Mitglied seiende Bibliotheken nehmen durch Konsens auf. Die Aufnahmepraxis sehen
  5. Loslegen. Konfiguration, erste Katalogisierungen, Eröffnung für die Leser*innen.

Rechnet im Schnitt mit zwei bis vier Wochen zwischen der Anfrage und der effektiven Eröffnung für die Öffentlichkeit, je nach eurer Verfügbarkeit und der Größe des Anfangsbestands.